Forschungsprojekt: Grundlagen und Herausforderungen der Interspezies-Kommunikation

Ziel des Projekts ist es, aus multidisziplinärer Perspektive die Möglichkeiten der Kommunikation/Interaktion zwischen unterschiedlichen Spezies zunächst theoretisch-komparatistisch auszuloten. Das Projekt schließt an ältere handlungstheoretische Überlegungen (Stichwort „Der maximal Fremde“) an, fragt aber noch grundsätzlicher nach den Voraussetzungen von Kommunikation/Interaktion zwischen verschiedenen Spezies. Der Begriff der ‚Spezies’ ist dabei weit gefasst und schließt neben verschiedenen Tierarten auch künstliche Akteure wie Roboter, Androiden oder eine netzwerkbasierte KI an. Das Projekt soll außerdem Basisdaten für die Fragen nach Möglichkeiten, Modalitäten und Grenzen der Kommunikation mit biologischen oder technologischen außerirdischen Akteuren liefern (siehe Forschungsnetzwerk Extraterrestrische Intelligenz). Im Mittelpunkt der Grundlagenforschung stehen sieben Fragenkomplexe:

  1. Welche grundsätzlichen Zusammenhänge bestehen zwischen der Umgebung, in der eine Art entstanden ist und sich entwickelt hat, ihrer art-spezifischen Sensorik und ihren kognitiven Wahrnehmungsräumen?
  2. Wie hängen Sensorik und die von einer Spezies genutzten Kommunikationskanäle zusammen?
  3. Welche Rolle spielen Wahrnehmungsräume und Kommunikationskanäle für die Ausgestaltung der mentalen Weltrepräsentation und für die Ausbildung kognitiver Schemata?
  4. In welcher Weise hängen die Möglichkeiten und Grenzen einer Interspezies-Kommunikation von der Kompatibilität von Wahrnehmungsräumen und Weltrepräsentationen ab?
  5. Wie ähnlich müssen kognitiver Schemata sein, um zumindest ein rudimentäres wechselseitiges Verstehen zwischen Spezies zu ermöglichen?
  6. Erzeugen extrem unterschiedliche Umwelten in der (selbst-)evolutionären Entwicklung einer Spezies notwendig inkompatible Weisen der Weltwahrnehmung?
  7. Inwieweit ist es möglich, fremde Wahrnehmungsräume, Weltrepräsentationen und kognitive Schemata zu simulieren bzw. zu emulieren?

Projektleiter/Bearbeiter: Prof. (apl.) Dr. Michael Schetsche

Publikationen:

Anton, A. & Schetsche, M. (2015). Anthropozentrische Transterrestrik. Zur Kritik naturwissenschaftlich orientierter SETI-Programme.Zeitschrift für Anomalistik 15 (1-2), 21–46.

Schetsche, M. (Hrsg.) (2014). Interspezies-Kommunikation. Voraussetzungen und Grenzen. Berlin: Logos-Verlag.

Schetsche, M., Gründer, R., Mayer, G. & Schmied-Knittel, I. (2009). Der maximal Fremde. Überlegungen zu einer transhumanen Handlungstheorie. In: Berliner Journal für Soziologie 19 (3), S. 469-491

Schetsche, M. (Hg.) (2004). Der maximal Fremde. Begegnungen mit dem Nichtmenschlichen und die Grenzen des Verstehens. Würzburg: Ergon.

© 2007 IGPP  (impressum) Stand: 25.4.2017