Interne IGPP-Forschungsprojekte


Fotografie und Geschichte der Parapsychologie (laufendes Projekt)

Ziele des im Rahmen der Zentralen Dokumentation und Archivstelle für Parapsychologie und Psychologische Grenzgebiete (ZDAP) stattfindenden Projekts über "Fotografie und Geschichte der Parapsychologie" sind
  1. die Erfassung und Sicherung der im Freiburger Institutsarchiv lagernden fotografischen Materialien und ihre Auswertung bezüglich ihrer Relevanz für die Geschichte der Parapsychologie und den Grenzgebieten;
  2. der Aufbau einer Dokumentationsstelle für Archivalien aus der Geschichte der Parapsychologie und den Grenzgebieten, wobei der momentane Arbeitsschwerpunkt auf der Registrierung von historischen Originalfotografien liegt. In diesem Zusammenhang wird auch an einem Konzept für ein digitales Langzeitarchiv gefährdeter Bildmaterialien gearbeitet;
  3. die Auswertung der "Fotografie okkulter Phänomene" hinsichtlich ihrer Beziehung zur bildenden Kunst, wie der Frühzeit der abstrakten Malerei oder ihrem Stellenwert in der Geschichte der Fotografie. Dieser Bereich baut auf den in den Ausstellungen Okkultismus und Avantgarde - Von Munch bis Mondrian 1900-1915 und Im Reich der Phantome - Fotografie des Unsichtbaren gezeigten Ergebnissen auf (siehe dazu Katalog Schirn Kunsthalle Frankfurt, 1995; Katalog Museum Abteiberg Mönchengladbach, Kunsthalle Krems, Fotomuseum Winterthur, 1997/1998).

Abbildung 1: Albert von Schrenk-Notzing, Materialisationsphänomen mit Eva C., München 1913

Abbildung 2: Hans Bender und Leif Geiges, Fotografische Rekonstruktion des Spukfalls Lauter, 1949

Wiss. Mitarbeiter:
Andreas Fischer
0761/20721-63
fischer@igpp.de

Risse im Alltäglichen: Die Rezeption von filmischen Darstellungen mit okkulten Inhalten (abgeschlossenes Projekt)

In dieser Studie wurde der Frage nachgegangen, von welchen Faktoren die Art der Rezeption 'okkulter' bzw. nicht-rationaler Filminhalte in Horrorfilmen abhängt, inwieweit sich also individuelle Rezeptionsmuster nachweisen lassen. Weiterhin wurde untersucht, inwieweit sich 'Horrorfans' von anderen Jugendlichen in der Filmverarbeitung und hinsichtlich verschiedener Persönlichkeitsfaktoren unterscheiden.
Fünfzig Jugendlichen wurde in Einzelsitzungen jeweils ein Teil eines Horrorfilmes vorgeführt. Die Darbietung wurde an mehreren Stellen unterbrochen, und anhand eines Interviewleitfadens wurden Fragen gestellt, die sich auf das gerade Gesehene bezogen. Weitere Daten konnten in mündlichen Interviews nach der Filmdarbietung gewonnen werden. Fragebögen, die die Probanden ausgefüllt zur Untersuchung mitzubringen hatten, enthielten Skalen zu verschiedenen Persönlichkeitsdimensionen wie auch zur Erfassung okkulter Belief-Systeme, zu Erfahrungen mit okkulten Praktiken und zu aktuellen Lebensthemen.
Es stellte sich heraus, dass die Orientierung an nicht-rationalen Filminhalten ein relativ überdauerndes, d.h. nicht entwicklungsabhängiges Persönlichkeitsmerkmal zu sein scheint, welches mit Persönlichkeitsmerkmalen wie emotionaler Labilität und einer pessimistischen Grundeinstellung wie auch mit der Ausbildung okkulter Belief-Systeme zusammenhängt. Die Vorliebe für das Genre Horror stellte sich hingegen als entwicklungsabhängig dar. In den Bereichen Politik und Sexualität hat bei Horrorfans tendenziell eine weitergehende Auseinandersetzung stattgefunden, als dies bei den anderen Probanden der Fall war. Horrorfans zeichnen sich entgegen unseren Erwartungen nicht durch eine besonders ausgeprägte Orientierung an nicht-rationalen Inhalten in den Filmen aus. Auch war kein direkter Bezug auf okkulte Belief-Systeme nachweisbar. Andere Themenbereiche, nämlich Aggressivität und Sexualität, spielen eine wichtigere Rolle. Die Nähe zu gesellschaftlich tabuierten Themen scheint das entscheidende Moment zu sein, was Horrorfilme für manche Jugendliche in einer bestimmten Entwicklungsphase zu einem prädestinierten Filmgenre macht. Neben der quantitativen Auswertung der Daten wurden sieben Einzelfälle unter Zuhilfenahme des gesamten Erhobenen Datenmaterials genauer analysiert, um ein plastisches Bild individueller Rezeptionsstrategien zu gewinnen.

Veröffentlichungen:

Mayer, G. (2000). Risse im Alltäglichen. Die Rezeption okkulter Darstellungen in Filmen. Frankfurt/M.; Berlin; Bern; Bruxelles, New York; Oxford; Wien: Lang. (Europäische Hochschulschriften Bd. 655)

Mayer, G. Risse im Alltäglichen. Die Rezeption okkulter Darstellungen in Filmen. Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie. In Vorbereitung.

Projektleiter:
Prof. Dr. Johannes Mischo

Projektmitarbeiter:
Dr. Gerhard Mayer
0761/20721-22
mayer@igpp.de

 

Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie in Printmedien: eine vergleichende diachrone Medienanalyse (abgeschlossenes Projekt)

Das Projekt betraf die Frage, ob sich die Presseberichterstattung zum Bereich der Parapsychologie und der Grenzgebiete der Psychologie im Laufe der letzten Jahrzehnte substantiell gewandelt hat. Es wurde vermutet, daß sich in einem strukturanalytischen Zugriff Veränderungen nachweisen lassen, die einen Mentalitäts- und Bedeutungswandel bezüglich dieser Themen widerspiegeln. Anhand der Analyse der Pressenberichterstattung in der BILD, in BILD am Sonntag und im SPIEGEL wurde diese Fragestellung untersucht. Insgesamt wurden 1698 Datensätze erhoben, die Artikel des SPIEGELs aus dem Zeitraum 1947 - 1999 betrafen. Weitere 723 Datensätze beinhalten Angaben zu den BILD-Artikeln aus den 7 erfaßten Jahrgängen (1952, 1960, 1968, 1974, 1982, 1990 und 1998). In den Jahrgängen 1956 - 1999 der BamS wurden aus 43 Serien zu Themen aus dem Bereich ‚Grenzgebiete' 213 Artikel in die Datenbank aufgenommen. Ein Kategoriensystem wurde auf der Basis anderer Studien zur Presseberichterstattung und aus dem Bereich der ‚Grenzgebiete' gebildet. Dieses Kategoriensystem wurde nach und nach optimiert, denn während der Dateneingabe ergaben sich immer wieder neue Anforderungen, die in der Vielfalt des erhobenen Materials begründet und nicht voraussehbar waren. Die chronologisch abgehefteten Artikel wurden in eine Datenbank (ACCESS) aufgenommen. Ziel bei der Eingabe war eine relativ starke Differenzierung in der Kategorisierung, damit das Material nach unterschiedlichsten Aspekten untersucht und auch nach Ende des Projekts für weitere Recherchen und Forschungsarbeiten sinnvoll genutzt werden kann. Neben der Oberflächenstruktur (Titel, Autor, Erscheinungsdaten, Umfang, Bebilderung, Thematische Kategorien, journalistische Stilform) wurden auch Elemente der Tiefenstruktur in die Datenbank aufgenommen. Solche Elemente sind Angaben über die Bewertung des Berichteten (Haltung des Autors), über die Funktionen, die das Berichtete übernimmt (Unterhaltung, Information usw.), und über die Personalisierung. Bei den Daten der Oberflächenstruktur handelt es sich weitgehend um ‚harte' Fakten. Sie wurden von der wissenschaftlichen Hilfskraft Ute Scherer eingegeben. In der Zeit, die sie am Projekt mitarbeitete (bis August), konnte sie die Oberflächenstruktur von ca. 1500 Datensätzen des SPIEGEL erfassen. Bei der Analyse der Tiefenstruktur sind verschiedene Einstufungen notwendig, die eine vollständige Lektüre der jeweiligen Texte erforderlich machen und eine gute Kenntnis der betroffenen Themenbereiche voraussetzen. Diese Einstufungen wurden für sämtliche Datensätze von mir selbst vorgenommen. Um eine gewisse Standardisierung und Interraterreliabilität zu erreichen, wurden dreißig Datensätze sowohl von Ute Scherer als auch von mir unabhängig eingestuft. Nach dem Vergleich und einer Diskussionsphase wurden weitere dreißig Datensätze von uns beiden unabhängig geratet. Nun erwies sich die Interraterreliabilität zufriedenstellend. Veränderungen in der Presseberichterstattung zu Themen aus dem Bereich der Grenzgebiete der Psychologie bzw. Parapsychologie konnten für alle untersuchten Medien nachgewiesen werden, wobei der diachrone Verlauf für die einzelnen untersuchten Kategorien sehr verschieden ist (z.B. UFO, Astrologie, Psi, Alternative Heimethoden usw.). Die Berichterstattung von BILD und BILD am Sonntag unterscheidet sich von der des SPIEGEL. Während man in den erstgenannten Medien eine gewisse Beliebigkeit in der Haltung zum Berichteten feststellen kann, wobei der Sensationsaspekt im Vordergrund steht, findet man beim SPIEGEL fast ausnahmslos und unverändert über den ganzen untersuchten Zeitraum hinweg eine kritische aufklärerische Haltung, die eine differenzierte Auseinandersetzung mit Themen aus dem Bereich der Grenzgebiete beim Leser verhindert, indem häufig einseitige und simplifizierende Erklärungsmodelle der "Skeptiker"-Bewegung übernommen und alternative Interpretationen abgewertet oder ignoriert werden. Die drei aus dem Projekt entstandenen Datenbanken wurden im Intranet für die Benutzung durch die Mitarbeiter des IGPP bereitgestellt und mit einer Seite "Hinweise zur Nutzung der Datenbanken" und einem Kommentar zur Kategorisierung versehen.

Veröffentlichung:

Mayer, G. (2003). Über Grenzen schreiben. Presseberichterstattung zu Themen aus dem Bereich der Anomalistik und der Grenzgebiete der Psychologie in den Printmedien SPIEGEL, BILD und BILD AM SONNTAG. In: Zeitschrift für Anomalistik, 3 (1) (im Druck).

Projektleiter:
Prof. Dr. Johannes Mischo

Projektmitarbeiter:
Dr. Gerhard Mayer
0761/20721-22
mayer@igpp.de

Befragung von PsychotherapeutInnen und psychotherapeutisch Tätigen zu den Themenbereichen Religiosität und Spiritualität (laufendes Projekt)

Die Thematik "Spiritualität/Religiosität und Psychotherapie" wird international zunehmend diskutiert und empirisch erforscht und ist auch für die deutsche Öffentlichkeit von Bedeutung. Dennoch gibt es hierzulande bislang fast keine empirisch-wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema.
Aus diesem Grunde sollen im Rahmen einer repräsentativen bundesweiten Fragebogenerhebung Psychotherapeut/Innen und therapeutisch Tätige mit unterschiedlicher theoretischer Orientierung hinsichtlich der Themenbereiche "Religiosität" und "Spiritualität" befragt werden. Das Forschungsvorhaben zielt darauf ab, die Rezeption dieser Thematik bei VertreterInnen der etablierten psychotherapeutischen Versorgung zu explorieren und darüber hinaus die Art und das Ausmaß, in dem diese Bereiche in der therapeutischen Praxis eine Rolle spielen, zu erfassen. Zum einen ist die Deskription der Gesamtgruppe von Interesse, zum anderen sollen Gruppenvergleiche der verschiedenen psychotherapeutischen Orientierungen, im einzelnen verhaltenstherapeutisch, analytisch/psychodynamisch, humanistisch und transpersonal, durchgeführt werden.
Darüber hinaus sollen einige vertiefende Interviews mit VertreterInnen der Transpersonalen Psychotherapie durchgeführt werden, die darauf abzielen, deren Selbstverständnis und spezifische Erfahrungen in der therapeutischen Arbeit zu explorieren, um so die Spezifika der Transpersonalen Psychotherapie aus der Perspektive von therapeutischen PraktikerInnen herauszuarbeiten.

Projektleiter:
PD Dr. Dr. Harald Walach
0761/270-5497
walach@ukl.uni-freiburg.de
Universitätsklinikum Freiburg
Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene
Hugstetter Strasse 55
D-79106 Freiburg i. Br.

Projektmitarbeiterin:
Dipl.-Psych. Liane Hofmann
0761/20721-54
hofmann@igpp.de

Geistheilung in Deutschland (abgeschlossenes Projekt)

Im Rahmen eines vom "Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene" in Zusammenarbeit mit dem "Medizinhistorischen Institut in Bonn" durchgeführten Forschungsprojekts wurden in einem ersten Teil anhand einer Fragebogenaktion Daten zum beruflichen Selbstverständnis Geistiger Heiler und Heilerinnen in Deutschland erhoben. Es zeigte sich ein sehr heterogenes Bild, sinnvoll interpretierbare "Heilertypen" ließen sich nicht finden. Im zweiten Teil wurden jeweils 70 Patienten bei zwei unterschiedlich arbeitenden HeilerInnen zu ihren Erwartungen an die Behandlung und zum Erfolg derselben befragt. Heiler M., der seine Patienten zu seinem Weltbild zu bekehren versucht, hat bessere Erfolge bei älteren Leuten mit niederer Schulbildung. Heilerin E., die lediglich mit Handauflegen arbeitet, hat bessere Erfolge bei jüngeren Patienten mit hoher Schulbildung. Insgesamt erzielte Heilerin E. bei ihren Patienten größere Erfolge als Heiler M. Im dritten Teil der Untersuchung wurde über die 14-tägige Hospitation bei Herrn M. ein ausführlicher Bericht verfasst. Der Fokus des Berichtes liegt auf der Weltsicht und dem Menschenbild sowie auf der Behandlungsweise des Heilers. Der vierte Teil bestand aus ausführlichen Interviews mit 20 HeilerInnen. Es wurden neben Fragen zur Biographie und zur Aufnahme der Heiltätigkeit die Einstellungen zu möglichen Ursachen von Krankheit und Gesundheit und das Weltbild der HeilerInnen erfragt. Schließlich wurden sie gebeten, etwas über ihre Behandlungspraxis zu erzählen. Mit einer zusammenfassenden Inhaltsanalyse und einer vergleichenden Analyse der einzelnen Antworten wurden zum einen die Unterschiede, zum anderen das allen Befragten Gemeinsame dargestellt und interpretiert.

Projektleiter:
Prof. Dr. Johannes Mischo
Prof. Dr. Heinz Schott

Projektmitarbeiter:
Dipl.-Psych. Markus Binder
Dr. Barbara Wolf-Braun

Veröffentlichungen:

Binder, M. & Wolf-Braun, B. (1995). Geistheilung in Deutschland - Teil I: Ergebnisse einer Umfrage zum Selbstverständnis und zur Arbeitsweise Geistiger Heiler und Heilerinnen in Deutschland. Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 37, 145-177.

Binder, M. & Wolf-Braun, B. Geistheilung in Deutschland - Teil II: Teilnehmende Beobachtung bei zwei Heilern und Befragung ihrer Patienten. In: Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 39, 183-218.

Wolf-Braun, B (1999). Zur Geschichte der geistigen Heilung. In A. J. Obrecht (Hrsg.), Die Welt der Geistheiler: Die Renaissance magischer Weltbilder (S. 207-225). Wien/Köln/Weimar: Böhlau.

Wolf-Braun, B. & Binder, M. (1997). Geistige Heilung aus der Sicht von Patienten. Ergebnisse einer empirischen Untersuchung. Erfahrungsheilkunde, Heft 1, 13-20.

"Okkultismus" bei Erwachsenen - Eine Fragebogenstudie (abgeschlossenes Projekt)

Die multivariat angelegte Untersuchung hatte zum Ziel, für den deutschsprachigen Raum ein fundiertes Instrument zur Erfassung "okkulter" Glaubenshaltungen zu entwickeln und einen Beitrag zur Aufklärung der differenzierteren Struktur dieses Konstruktes zu leisten. Schwerpunkte bildeten dabei die Aufklärung des Zusammenhanges "okkulter" Glaubenshaltungen mit der schizotypischen Persönlichkeitsstörung und deren Einbettung in etablierte Persönlichkeits- und Einstellungskonstrukte.
Es wurden drei etablierte Schizotypieskalen und eine größere Reihe von gängigen Persönlichkeits- und Einstellungskonstrukten eingesetzt. An der in Freiburg und Tübingen durchgeführten Erhebung nahmen etwa 400 überwiegend nichtstudentische Versuchspersonen teil. Die neu konstruierte Skala zur Erfassung "okkulter" Einstellungen ist annähernd normal verteilt und zeichnet sich durch eine hohe innere Konsistenz aus.
Die Okkultismusskala weist bedeutsame Korrelationen mit den Schizotypieskalen und traditioneller Religiosität auf, die sich nur zum Teil auf inhaltlich ähnliche Items zurückführen lassen.
Die "Okkultgläubigen" (oberes Quartil) lassen sich in zwei deutlich voneinander unterscheidbare Subgruppen aufteilen: Die psychologisch "Auffälligen" weisen signifikante Werte bei den Schizotypieskalen auf, die psychologisch "Unauffälligen" zeigen, trotz hoher Okkultwerte, keine derartigen Persönlichkeitszüge.

Projektleiter:
Prof. Dr. Johannes Mischo

Projektmitarbeiter:
Dipl.-Psych. Emil Boller
0761/20721-40
boller@igpp.de

Dipl.-Psych. Gerhard Braun
Dipl.-Psych. Anke Brednich

Veröffentlichungen:

Brednich, A. (1993). Eine Fragbogenuntersuchung zur Erfassung von magisch-irrationalem Denken und der Schizotypischen Persönlichkeitsstörung bei Erwachsenen. Unveröff. Diplomarbeit, Psychologisches Institut der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Mischo, J. (1996). Der Glaube an parapsychische Phänomene. Schizotypische Muster im Denken und Verhalten? TW Neurologie Psychiatrie, 10, 266-272.

Wolfradt, U., Oubaid, V., Straube, E. R., Bischoff, N. & Mischo, J. (1999). Thinking styles, schizotypal traits and anomalous experiences. Personality and Individual Differences, 27, 821-830.

Affinität zu Okkultismus bei Erwachsenen - Interviewstudie (abgeschlossenes Projekt)

Im Anschluss an eine Fragebogenuntersuchung über die Affinität zu Okkultismus bei Erwachsenen wurden mit etwa 100 nicht selektierten Teilnehmern vertiefende Interviews über paranormale Erfahrungen, okkulte Praktiken und damit einhergehende subjektive Einstellungen und Theorien durchgeführt. Um mögliche Zusammenhänge und Wechselwirkungen zu erhellen, wurden zusätzlich Fragen zur familiären Sozialisation, Religiosität und zu psychischen Störungen gestellt.
Die Sozialisationsfaktoren 'Erziehungsstil der Eltern', 'Zuwendungsdefizit' und 'Art der Bestrafung' korrelierten sehr hoch mit psychischer Auffälligkeit. Für die Faktoren 'familiäre Belastung', 'defizitäre Versorgung' und 'sexueller Missbrauch' ließen sich Zusammenhänge mit Okkultgläubigkeit feststellen. Die aktuelle soziale Situation gab Aufschluss über die Einbettung paranormaler/okkulter Erfahrungen in den Lebenszusammenhang des Einzelnen. Hier zeigte sich ein hoher Okkultismusscore bei Geschiedenen und ein noch höherer bei alleinerziehenden Müttern. Niedrige Scores fanden sich bei Personen mit befriedigenden sozialen Beziehungen und Paarbeziehungen.
Ein hoher Zusammenhang ergab sich zwischen einigen Religiositätskategorien und Okkultgläubigkeit. An die Stelle institutionalisierter Kirchenzugehörigkeit scheint zunehmend eine individuell geprägte, als "spirituell" bezeichnete Religiosität zu treten. Positiv erlebte Auswirkungen der Beschäftigung mit okkulten Praktiken waren: Lebenshilfe und Orientierung, Selbstfindung und eigene Weiterentwicklung, Antwort auf existentielle Fragen und Strategien zur Angstbewältigung. Seltener berichtet wurden negativ erlebte Auswirkungen wie eine generelle Verunsicherung durch neue Weltbilder, Abhängigkeit von esoterischen Gruppen, von Wahrsagern und Astrologen, Angst vor Kontrollverlust über das eigene Leben und psychische Erkrankung.
Die Gruppen (Okkultgläubig/Nicht Okkultgläubig) unterschieden sich nicht in der Differenziertheit bzw. Undifferenziertheit ihrer subjektiven Theorien, die sich grob in zwei Erklärungsmodelle gliedern lassen: ein eher naturphilosophisches und ein eher spirituell- geistiges. Ihnen gemeinsam ist ein esoterisches Vokabular, das auf sehr individualistische Weise mit Inhalt gefüllt wird.

Projektleiter:
Prof. Dr. Johannes Mischo

Projektmitarbeiter:
Dipl.-Psych. Emil Boller
0761/20721-40
boller@igpp.de

Dipl.-Psych. Ursula O.-Kodjoe

Anbieter auf dem Psychomarkt (abgeschlossenes Projekt)

Mit der im Oktober 1998 abgeschlossenen Studie wurden das Angebot und die Anbieter der sogenannten Psycho- bzw. New-Age-Szene untersucht. An rund 1500 Personen in Freiburg, Frankfurt und Berlin wurde ein eigens entwickelter Fragebogen verschickt, der soziodemographische Daten, spezifische Merkmale und Rahmenbedingungen der Tätigkeit, das Spektrum der eingesetzten Methoden und religiöse bzw. spirituelle Überzeugungen erfasst. Es wurden keine religiösen Gemeinschaften oder sogenannte Sekten angeschrieben, Zielgruppe der Untersuchung waren ausschließlich offen auf dem Psychomarkt werbende Einzelanbieter. Insgesamt haben sich 423 Personen an der Fragebogenstudie beteiligt. Die Ergebnisse sind in allen Städten vergleichbar: Die Anbieter sind zu zwei Dritteln weiblichen Geschlechts, im Schnitt 43 Jahre alt und verfügen über ein hohes Bildungsniveau. Sie arbeiten mit Konglomeraten von durchschnittlich acht bis neun Methoden. Dabei finden sich neben ausgesprochen eklektischen Anbietern (23%), die sehr unterschiedliche Verfahren einsetzen und kombinieren, sieben weitere Anbietertypen mit einem spezifischeren Angebot. Entsprechend ihres Methodenrepertoires lassen sich folgende Schwerpunkte nennen: "Humanistische Psychotherapie" (14%), "Esoterische Deutung" (12%), "Funktionale Körperarbeit" (11%), "Haltungs- und Bewegungsunterricht" (12%), "Spirituelle Körper- und Psychotherapie" (15%), "Meditation und Selbsterfahrung" (9%) sowie "Mediumismus und Geistheilung" (5%). Mehr als 90% der Anbieter sind überzeugt von der Existenz einer höheren Wirklichkeit und der Möglichkeit, dass diese mit Hilfe bestimmter Methoden zugänglich werden kann. Diese Haltung ist verknüpft mit einem Glauben an Reinkarnation und Karma. Die "New-Age-Spiritualität" der Anbieter beruht im wesentlichen auf einer individuellen Rezeption verschiedenster Quellen und außergewöhnlichen bzw. spirituellen Erfahrungen, von denen 82% berichten. Eine Bindung an Gurus, religiöse oder ideologische Gemeinschaften ist kaum auszumachen. Zwei Drittel der Anbieter haben die christliche Kirche verlassen.

Projektleiter:
Prof. Dr. Johannes Mischo

Projektmitarbeiter:
Dipl.-Psych. Wolfgang Fach
0761/20721-81
fach@igpp.de

Veröffentlichungen:

Hellmeister, G. & Fach, W. (1998). Anbieter und Verbraucher auf dem Psychomarkt. In Deutscher Bundestag. Enquete-Kommission "Sogenannte Sekten und Psychogruppen" (ed.), Endbericht der Enquete-Kommission "Sogenannte Sekten und Psychogruppen". Drucksache 13/10950. (pp. 47-55). Bonn: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft.

Hellmeister, G. & Fach, W. (1998). Anbieter und Verbraucher auf dem Psychomarkt. Eine empirische Analyse. In Deutscher Bundestag. Enquete-Kommission "Sogenannte Sekten und Psychogruppen" (ed.), Neue religiöse und ideologische Gemeinschaften und Psychogruppen. Forschungsprojekte und Gutachten der Enquete-Kommission "Sogenannte Sekten und Psychogruppen". (pp. 355-399). Hamm: Hoheneck.

Astrologische Datenbank (abgeschlossenes Projekt)

Das Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e.V. bietet eine Astrologische Datenbank an, die die wichtigsten aktuellen Artikel und Dissertationen zum Thema Astrologie erfasst (Projektende: September 2000). Die Bibliographie gibt einen Überblick über aktuelle astrologische Forschungsergebnisse und verschiedene Gebiete der Astrologie. Erfasst wurden sämtliche Dissertationen über Astrologie und die Zeitschriften Correlation, Journal of Scientific Exploration, Meridian, Qualität der Zeit, Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, Astro-Psychological Problems, Astrologie heute, Linguagio Astrale, Skeptiker und Symbolon.
Benutzerhinweise: Für die Suche stehen die Rubriken Autor, Titel, Zeitschrift und Jahreszahl zur Verfügung, die auch miteinander kombiniert werden können.
Die Literaturhinweise können auf Wunsch chronologisch, nach Zeitschrift oder nach Autor geordnet werden. Im Original vorhandene Abstracts wurden mit aufgenommen. Bei den anderen Literaturhinweisen fügte die Bearbeiterin Ulrike Moschen jeweils eine Bemerkung zum Inhalt unter der Bezeichnung Berarb.-Abstract hinzu. Davon ausgenommen sind diejenigen Einträge, bei denen der Titel des Artikels ausreichend Informationen über dessen Inhalt bietet. Verschlagwortung: Die Stichworte liegen zweisprachig vor (in Deutsch und Englisch). Die Verschlagwortung orientiert sich an der astrologischen Terminologie. Erklärungsbedürftige Begriffe sind mit einem kurzen Kommentar zur Erläuterung versehen.

Projektleiter:
Prof. Dr. Johannes Mischo

Projektmitarbeiter:
Dr. Gerhard Mayer
0761/20721-22
mayer@igpp.de

Ulrike Moschen, M.A.

Parapsychologische Grenzerfahrungen: Eine empirische Studie zu Verbreitung, Inhalten und Strukturen (laufendes Projekt)

Das Projekt besteht seit 1998 und widmet sich unter kulturwissenschaftlicher Perspektive außergewöhnlichen paranormalen Erlebnissen, wie sie seit Menschengedenken aus den verschiedensten Kulturen und Bevölkerungsschichten berichtet werden und auch in der Moderne zum Bestandteil menschlichen Erlebens gehören. Sie zählen zum klassischen Korpus der wissenschaftlichen Parapsychologie und stellen ihre unverzichtbare, lebendige und alltagsnahe Verankerung in der mannigfaltigen Erfahrungswelt dar.
Das Projekt ist empirisch ausgerichtet und verfolgt zwei Hauptziele: (1) die zahlenmäßige Erfassung der Verbreitung außergewöhnlicher parapsychologischer Erfahrungen sowie (2) die Rekonstruktion der Inhalte, Strukturen und Deutungen solcher Erlebnisse durch die Sammlung und Analyse von Erlebnisberichten.
Der erste Teil des Projekts bestand aus einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage. Es wurden 1510 Personen aus Ost- und Westdeutschland mittels eines standardisierten Fragebogens telefonisch befragt, um zunächst die Einstellung (resp. Vorstellbarkeit) gegenüber verschiedenen paranormalen Phänomenen sowie die Verbreitung solcher Grenzerfahrungen in der Bevölkerung zu ermitteln. Während für viele andere Länder entsprechende Zahlen bereits vorliegen, fehlten bislang für Deutschland vergleichbare Daten. Das Spektrum der erfassten Erfahrungen reichte von Déjà-vu-Erlebnissen, sinnvollen Zufällen, Psi-Erfahrungen bei Tieren, paranormalen Träumen, Ankündigungen und Erscheinungen bis hin zu UFO-Sichtungen und Ähnlichem. 75 Prozent der Befragten gaben an, mindestens eine der im Fragebogen erfassten paranormalen Erfahrungen gehabt zu haben. Erwartungsgemäß wurde das Déjà-vu-Item am häufigsten bejaht (50 %), am seltensten wurden UFO-Erlebnisse berichtet (2,5 %). ? Link zum Fragebogen Fast 50 Prozent der Befragten mit außergewöhnlichen Erfahrungen waren bereit, an einem zweiten Interview teilzunehmen, in dem sie ausführlich über ihre Erlebnisse berichten sollten. Diese qualitative Nachbefragung bildet den zweiten Teil der Studie, wobei das vordergründige Ziel hierbei in der Rekonstruktion der "Innenseite" des Erlebens sowie der Aufdeckung inhaltlicher und sozialer Zusammenhänge liegt. Schließlich wurden mehr als 200 teilstrukturierte themenzentrierte Telefoninterviews mit nachbefragungsbereiten Personen aus ganz Deutschland geführt.
Das methodische Vorgehen bei der Auswertung des Materials ist mehrstufig und umfasst in einem ersten Schritt die ausführliche Interpretation ausgewählter Fälle, deren Ziel zunächst darin besteht, zentrale Merkmale von paranormalen Erfahrungen und deren Versprachlichung aufzuzeigen. Diese Ergebnisse liefern das Analyseschema für eine nachfolgende inhaltsanalytische Auswertung der Berichte in einem zweiten Arbeitsschritt.
Die Leitidee unser gesamtes Untersuchungsdesign beruht auf der Idee einer Wechselwirkung von quantitativen und qualitativen Ergebnissen. Insofern ermöglichen die themenzentrierten Interviews nicht nur eine inhaltliche Beschreibung der quantitativ erfassten Erfahrungen, sondern auch umgekehrt gilt, dass die Ergebnisse des Fragebogenteils wichtige Hypothesen und Kontextinformationen für die qualitative Analyse bereitstellen. Denn während sich der Erkenntnisgewinn bisheriger Untersuchungen auf diesem Gebiet hauptsächlich auf quantitativ- statistische Aussagen und Prozentzahlen beschränkt und kaum oder gar keinen Bezug auf das subjektive Erleben nimmt, liegt der innovative Aspekt der hier vorliegenden Studie gerade in der Verknüpfung repräsentativer Aussagen mit der Ebene des subjektiven Erlebens.

Projektleitung:
Prof. Dr. Johannes Mischo

Wiss. Mitarbeiterinnen:
Dipl.-Chem. Raffaella Deflorin, M.A.
0761/20721-56
deflorin@igpp.de

Ina Schmied, M.A.
0761/20721-58
schmied@igpp.de

Dipl. Psych. Harriet Falkenhagen
(bis April 2001)
0761/20721-43
falkenhagen@igpp.de

Veröffentlichungen:

Deflorin, R., Schmied, I. (2000). Paranormal experiences in the German population: Conception and realization of an empirical study. In F. Steinkamp, ed., Proceedings of Presented Papers: The Parapsychological Association 43rd Annual Convention , 86-98.

© 2007 IGPP  (impressum) Stand: 29.1.2007