Externe IGPP-Forschungsprojekte

Psychosoziale Elemente bei drei unterschiedlichen Gruppenphänomenen (abgeschlossenes Projekt)

Das Projekt befasst sich mit drei besonderen Arten von Gruppensitzungen, bei denen ungewöhnlich viele Phänomene auftraten. Diese Phänomene umfassen die vom französischen Autor, Bühnenautor und Dichter Victor Hugo aufgezeichneten Erfahrungen während seines mehrmonatigen Exils auf einer der Kanalinseln zwischen Frankreich und England. Während dieser Zeit wurden umfangreiche Aufzeichnungen erstellt. Die angeführten Wesen, die sich mitteilten, reichten von berühmten religiösen Führern und Autoren bis hin zu Tieren und personifizierten abstrakten Begriffen.
Der von Montague Ullman (Arzt, Psychiater, Parapsychologe und berühmter Traumforscher) aufgezeichnete zweite Fall handelt von den Erfahrungen einer Gruppe Jugendlicher (15-16 Jahre alt) in New York City während der frühen 30er Jahre. Über einen Zeitraum von fast zwei Jahren hinweg wurde eine Serie von angeblichen psychokinetischen Phänomenen aufgezeichnet, die sich um ein als "Dr. Bindelof" identifiziertes Wesens zentrierten. Es wurden ausgiebige Aufzeichnungen erstellt, wobei die Teilnehmer ihre überraschenden Erfahrungen mehrmals im Erwachsenenalter überprüften. Eine dritte Serie von Phänomenen wurde von Mitgliedern der Toronto Society for Psychical Research provoziert. Die Gruppe ahmte eine Reihe von Sitzungen nach herkömmlichem viktorianischem Modell nach, d.h. man schuf zuerst eine fiktive historische Person namens "Philip", welcher auch tatsächlich nach einer ausgedehnten Versuchszeit per Klopfzeichen kluge Antworten gab; dies war jedoch ganz auf das von den Forschern geschaffene fiktive Konzept bezogen.
Das gegenwärtige Projekt beschäftigt sich mit den zugrundeliegenden psychokulturellen Ele- menten dieser drei Sitzungen, bezogen auf grundlegend verschiedene Erfahrungen. Es wird z.Zt. eine Begutachtung durch verschiedene Kapazitäten auf dem Gebiet der Neurologie , Psychosoziologie und Religionskultur eingeholt. Die Schlussfolgerungen werden wahr- scheinlich weitaus größere Gruppeninteraktionen fördern, wobei neurologische Faktoren nachvollziehbar und elektromagnetische Faktoren möglicherweise ergebnislos sind, was derzeit einfach als Psychokinese eingestuft wird. Die dieser Studie zugrundeliegenden Fragen der Gruppenfunktion, bieten möglicherweise neue Einblicke in verschiedene Gebiete der wissenschaftliche Forschung.

Projektbearbeiter:
Martin Ebon
5615 Netherland Avenue
Riverdale
New York 10471

Zur Publikationsdynamik der parapsychologischen "scientific community": Evidenz für eine fortschreitende neurowissenschaftliche Reduktion? (abgeschlossenes Projekt)

Im Rahmen des 1994 geförderten Projektes ging es um die inhaltsanalytische Auswertung von abstracts, die unter dem Stichwort "Parapsychologie/Parapsychology" in den Datenbanken MEDLINE (1987 - 1993, später 1975 - 1995) PSYNDEX (1987 - 1989) und "Psychological Abstracts" (PA: 1982 - 1989) abgespeichert waren. Insgesamt 458 PA-abstracts wurden bezogen auf acht Untersuchungskategorien ausgewertet (Textpack PC). Im Sinne des kommunikationswissenschaftlichen "Agenda Setting"-Ansatzes sollten mit diesem Vorgehen Themenschwerpunkte parapsychologischer Veröffentlichungen und deren Publikationsdynamik identifiziert werden. Im Blickwinkel der verwendeten computerunterstützten Inhaltsanalyse präsentiert sich die internationale wissenschaftliche Parapsychologie als stark methodenorientierte Laborwissenschaft. Ein weiterer Befund deutet darauf hin, dass in Zukunft Konzepte und Ideen der modernen Neurowissenschaften auch in der Parapsychologie an Bedeutung gewinnen werden, wie sie beispielsweise von Michael S. Persinger (Sudbury/Ontario) und seiner Arbeitsgruppe vertreten werden: eine moderate, aber hoch signifikante Korrelation zwischen der 21 Jahre langen Zeitreihe einer vertiefenden MEDLINE- Auswertung und dem Prozentsatz neurowissenschaftlicher Termini in den Zusammenfassungen belegt diese Aussage (r = .29, p< .007, Bonferroni-korrigiert). Grundsätzliche Schwächen der Forschungsmethode (z.B. weil die untersuchten Datenbanken erfahrungsgemäß nicht alle tatsächlich erschienenen Beiträge zu einem Thema auch in ihren CD-ROM-Fassungen berücksichtigen) grenzen die Reichweite dieser Aussage jedoch ein. Die These einer fortschreitenden neurowissenschaftlichen Reduktion der Parapsychologie sollte insbesondere über direkte Explorationen (etwa im Sinne einer Delphi-Studie) weiter verfolgt werden.

Projektbearbeiter:
Dr. Pantaleon Fassbender
Wilhelmstraße 32
5311 Bonn

Veröffentlichungen:

Fassbender, P. (1993). Paradigmenwechsel parapsychologischer Forschung? Ein inhaltsanalytischer Zugang auf der Basis themenbezogener Artikel in der Datenbank Medline 1987 - 1993. Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 35, 145-171.

Fassbender, P. (1995). Parapsychologie in den "Psychological Abstracts": eine empirische Untersuchung zu den Themenschwerpunkten parapsychologischer Zeitschriftenveröffentlichungen von 1982 bis 1989. Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 37, 211-226.

Fassbender, P. (1997). Parapsychology and the Neurosciences: a computer-based content analysis of abstracts in the database "Medline" from 1975 to 1995. Perceptual and Motor Skills, 84, 452 - 454.

Die Beziehungen zwischen Surrealismus und Parapsychologie am Beispiel der "écriture automatique" (abgeschlossenes Projekt)

Die Beziehungen zwischen Surrealismus und Parapsychologie lassen sich auf sehr vielfältige Art und Weise untersuchen. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, von drei Thesen ausgehend, jeder von ihnen, einen eigenen Forschungsansatz zuzuordnen. Geht es in der ersten These von René Louis "Für die Parapsychologen scheint der Surrealismus nicht existiert zu haben" um die Rechtfertigung und Hervorhebung der Wichtigkeit einer Bearbeitung des Themas im parapsychologischen Kontext, so beinhaltet eine zweite, von Jean Starobinski formulierte These: "Die Begegnung zwischen Surrealismus und Parapsychologie wird kein bloßer Zufall gewesen sein" weiterführend die Frage nach den gemeinsamen historischen Zusammenhängen beider Bereiche. Diese werden, nach einem einführenden geschichtlichen Überblick über die wichtigsten Ereignisse und Phasen des Surrealismus, primär an der "écriture automatique", das den Surrealismus in den ersten Jahren bestimmende Phänomen, aufgezeigt. Hier geht es um einen Nachweis des Einflusses der aufkommenden Parapsychologie zum Ende des 19. Jahrhunderts auf den Surrealismus.
Eine dritte These leitet in die interpretatorische Arbeit ein. In seiner Dissertation aus dem Jahre 1936 schreibt Hans Bender: "Ich werde gelegentlich eingehender nachweisen, dass das absichtslose Spiel des Denkens der Surrealisten ein Kunstprodukt ist". Die automatischen surrealistischen Texte, ausschließlich Kunstprodukte? Die Bearbeitung formaler und inhaltlicher Fragestellungen zur "écriture automatique" am Beispiel surrealistischer Texte soll versuchen, einen Beitrag zu dieser These zu leisten. So wird das erste surrealistische automatische Werk Les Champs magnétiques auf formaler, das präkognitive Züge aufweisende Gedicht "Tournesol" auf inhaltlicher Ebene untersucht. Hierbei stehen die Fragen nach einer Einschätzung und Beurteilung der "écriture automatique" im Vordergrund. Besonders die inhaltliche Auseinandersetzung hat zum Ziel, verschiedene Bedeutungsebenen und Lesarten des Gedichtes herauszuarbeiten, welche für Breton selbst nicht zugänglich waren, aber zweifellos unbewußte Ergebnisse des automatischen Schreibens darstellen. Die Modell-Interpretation soll zudem Wege aufzeigen, wie mit surrealistischen automatischen Texten verfahren werden kann. Abschließend soll die Frage beantwortet werden, ob in "Tournesol" ein direkter Bezug zwischen "écriture automatique" und Präkognition besteht bzw. ob eine Präkognition in "Tournesol" tatsächlich vorliegt.

Projektleiter:
Dipl.-Psych. Eberhard Bauer
0761/20721-11
bauer@igpp.de

Projektmitarbeiter:
Manfred Hilke (Freiburg i.Br.) MHilke3951@aol.com

Veröffentlichung:

Hilke, M. (2000). Surrealism and Parapsychology: An Experimental Approach. In F. Steinkamp, ed., Proceedings of Presented Papers: The Parapsychological Association 43rd Annual Convention , 114-122.

Verwendung von Medien und Paragnosten (laufendes Projekt)

Die Untersuchung hat zum Ziel, festzustellen, welchen praktischen Wert die Hinzuziehung von Medien und Paragnosten bei der Suche vermisster Personen hat, welche positiven oder negativen Auswirkungen in psychohygienischer Sicht für die Familienangehörigen der vermissten Person damit verknüpft sind und inwieweit mögliche negative psychologische Auswirkungen damit zusammenhängen. In Zusammenarbeit mit Polizeibehörden, die an dem Projekt interessiert sind, sollen die Merkmale von gelösten und ungelösten Fällen verglichen werden, wobei Polizeistellen, Familienangehörige und die beteiligten Paragnosten befragt werden. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für die Erarbeitung praktischer Empfehlungen für den Umgang mit Paragnosten bei solchen Fällen dienen.
Bis jetzt sind etwa 368 Vermisstenfälle bearbeitet worden. In 50 Fällen (13.6%) hat sich herausgestellt, dass dabei Paragnosten eingeschaltet wurden, in fast allen Fällen von Angehörigen der Vermissten. Nur in sehr wenigen Fällen hat die Einschaltung von Paragnosten zur Lösung des Falles beigetragen, etwa einer pro Jahr. Es ist auffallend, dass die meisten Befragten trotzdem ein Urteil über die Bemühung von Paragnosten abgeben, das sich wenig von dem Urteil über die Aktivitäten der Polizei unterschied. Für beide Gruppen ist die Bewertung schwach positiv und liegt durchschnittlich zwischen 'ein wenig zufrieden' und 'zufrieden'.

Projektbearbeiter:
Dr. Sybo A. Schouten
E-Mail: schouten@fsw.ruu.nl University of Utrecht
Trans II, k 1704
Heidelberglaan 2
3584 CS Utrecht

Dipl.-Psych. Imke Rispens

Prophetische Visionen der Jahrtausendwende (laufendes Projekt)

Gegenstand des Forschungsprojektes sind prophetische Zukunftsvisionen der Jahrtausendwende, also Erfahrungen, die Vorstellungen der Wirklichkeit der Wende zum neuen Jahrtausend und der Zeit unmittelbar danach zum Gegenstand haben. Prophetische Visionen zählen zu den paranormalen Spontanerfahrungen, die herkömmlicherweise das Schicksal großer Kollektive betreffen (beispielsweise Weltkriegs-Weissagungen). Wir schließen jedoch diejenigen Prophetien nicht aus, die sich auf kleinere soziale Einheiten (Familien u.ä.) beziehen, sofern sie - wie auch alle anderen zu untersuchenden prophetischen Visionen - (a) Anspruch auf "Eintreffen" erheben, d. h. überprüfbare Aussagen zu einem zukünftigen Zustand in der intersubjektiven Wirklichkeit des Alltags enthalten; und (b) mit einer ASW verbunden sind, d. h. als Vision, Audition o.ä. auftreten. Wir konzentrieren uns vor allem auf nicht speziell für die Medien zubereitete, vorwiegend mündlich vermittelte Visionen.
Stand der bisherigen Forschungen und Ausblick für den weiteren Projektverlauf: Bis zum Dezember 1999 wurden zunächst eine Reihe von Gesprächen mit ausgewiesenen Kennern der Neuoffenbarerszenen (Sekten- und Weltanschauungsexperten) geführt. Den Kern des bisherigen Datenkorpus bilden Interviews mit rund 20 Visionären und Visionärinnen im südwestdeutschen und nordschweizer Raum, sowie zusätzlich ethnographische Feldbeobachtungen in Offenbarer- Gemeinschaften. Das Projekt befindet sich weiterhin in der Phase der Datensammlung. Zwar steht die Hauptauswertung noch bevor, doch bereits jetzt lässt sich absehen, dass, entgegen den ursprünglichen Annahmen, das Herannahen der Jahrtausendwende nicht zu einer sprunghaften Zunahme von (apokalyptischen) Zukunftsvisionen geführt hat. Bei den (wenigen) Visionären, die gefunden werden konnten, zeigen sich zudem in ihren Zukunftserlebnissen nahezu keine Bezüge auf das Jahr 2000. Diese Beobachtungen leiten uns zu der These eines markanten Gegensatzes zwischen einem 'medialen und kulturbetrieblichen Expertendiskurs' zum Millennium und der lebensweltlichen Wahrnehmung des Datumswechsels. Zu ihrer Überprüfung arbeiten wir derzeit auch an einer Materialsammlung von Presseveröffentlichungen und Medienbeiträgen. Ausserdem wurde von uns eine kleinere repräsentative Umfrage angeregt, bei der 1017 Deutsche zu ihrer Wahrnehmung des kommenden Jahreswechsel befragt wurden. Die Daten der vom Hamburger Sozialforschungsinstitut IPSOS realisierten Studie liegen uns nun vor. Im weiteren Projektverlauf wird die Auswertung der empirischen Daten fortgeführt. Dazu ist es notwendig, die bisherigen Materialien und Interviews durch weitere ethnographische Beobachtungen zu vervollständigen. Ziel ist die Erarbeitung einer Typologie von zeitgenössischen visionären Prophezeiungen.

Projektleiter:
Prof. Dr. Hans-Georg Soeffner:
Sozialwissenschaftl. Fakultät der
Universität Konstanz
Postfach 5560 D 41
D-78434 Konstanz

Projektmitarbeiter:
Prof. Dr. Hubert Knoblauch
Bernt Schnettler, M.A.

Veröffentlichungen:

Schnettler, B. (1999). Millenniumswechsel und populare Apokalyptik. Prophetische Visionen an der Schwelle zum Jahr 2000. In Honer, A., Kurt, R. & Reichertz, J. (eds.), Diesseitsreligion. Zur Deutung der Bedeutung moderner Kultur (pp. 385-413) Konstanz: UVK.

Knoblauch, H. & Schnettler, B. (2000, submitted). Die Apokalypse findet nicht statt. Prophetische Zukunftsvisionen zum Ende des Jahrtausends in Deutschland. In 7 Hügel. Bilder und Zeichen des 21. Jahrhunderts. Berlin.

Verbreitung und Struktur von Todesnäheerfahrungen (TNE) in West- und Ostdeutsch- land (abgeschlossenes Projekt)

Inhalt dieses Projektes war die Durchführung und Auswertung der ersten repräsentativen Bevölkerungsumfrage zur Verbreitung und Struktur von Todesnäheerfahrung in Ost- und Westdeutschland. Dabei wurde eine Verbreitungsrate von 4% festgestellt. Es konnten keine statistischen Zusammenhänge zwischen soziodemographischen Faktoren und dem Auftreten dieser Form ausseralltäglicher Erfahrung nachgewiesen werden. Hinsichtlich der inhaltlichen Struktur der erhobenen Erfahrungsberichte zeigten die Analysen indes die Notwendigkeit einer Revision der bislang vertretenen Annahmen zur strukturellen Uniformität von TNE. Die äußerst grosse Variationsbreite der erhobenen Berichte verweist auf den prägenden Einfluss von Biographie und kulturellem Kontext auf die Erfahrungsinhalte. Bei der Analyse der Angaben zu den Ursachen der TNE ergab sich zudem, dass nicht organische oder klinische Grenzbedingungen (etwa der klinische Tod), sondern vielmehr die subjektiven Überzeugungen, unmittelbar dem Tode gegenüberzustehen, relevant für das Auslösen von TNE sind. Insgesamt wirft die Studie ein neues Licht auf die bisherigen Annahmen der Todesnäheforschung. Die Publikation der Ergebnisse hat sowohl zu einem Aufschwung der interdisziplinären Auseinandersetzung mit dem Phänomen geführt, als auch eine denkbar rege Rezeption in der weiteren Ouml;ffentlichkeit erfahren (s.u.).

Projektleiter:
Prof. Dr. Hans-Georg Soeffner
Sozialwissenschaftl. Fakultät der
Universität Konstanz
Postfach 5560 D 41
D-78434 Konstanz

Projektmitarbeiter:
Prof. Dr. Hubert Knoblauch
Ina Schmied, M.A.
Bernt Schnettler, M.A.

Veröffentlichungen

1. Books:
Knoblauch, H. & Soeffner, H.-G. (1999). Todesnähe. Wissenschaftliche Zugänge zu einem außergewöhnlichen Phänomen. Konstanz: UVK. Knoblauch, H. (1999). Berichte aus dem Jenseits, Mythos und Realität der Nah-Todeserfahrung. Freiburg: Herder.

2. Essays:
Knoblauch, H. (1997). Die Sichtbarkeit der unsichtbaren Religion. Subjektivierung, Märkte und die religiöse Kommunikation. Zeitschrift für Religionswissenschaft, 5, 179-202.

- Knoblauch, H. (1998). Transzendenzerfahrung und symbolische Kommunikation. Die phänomenologisch orientierte Soziologie und die kommunikative Konstruktion der Religion. In

Knoblauch, H., Krech, V. & Tyrell, H. (eds.), Religion als Kommunikation (pp.147-186). Würzburg: Ergon.

Knoblauch, H. (1999). Metaphors, transcendences and indirect communication. In Boeve, L. & Frayaerts, K. (eds.), Metaphor and God-Talk (Religion and Discourse Series) (pp.75-94). Bern: Peter Lang.

Knoblauch, H., Schmied, I. & Schnettler, B. (1999). Einleitung: Die wissenschaftliche Erforschung der Todesnäheerfahrung. In Knoblauch, H. & Soeffner, H.-G. (eds.), Todesnähe (pp. 9-34). Konstanz.

Knoblauch, H. & Schmied, I. (1999). Berichte aus dem Jenseits. Eine qualitative Studie zu Todesnäheerfahrungen im deutschsprachigen Raum. In Knoblauch, H. & Soeffner, H.-G. (eds.), Todesnähe (pp.187-215). Konstanz.

Schmied, I., Knoblauch, H. & Schnettler, B. (1999). Todesnäheerfahrungen in Ost- und Westdeutschland. Eine empirische Untersuchung. In Knoblauch, H. & Soeffner, H.-G. (eds.), Todesnähe (pp.217-250). Konstanz.

Knoblauch, H., Soeffner, H.-G. & Schnettler, B. (1999). Die Sinnprovinz des Jenseits und die Kultivierung des Todes. In Knoblauch, H. & Soeffner, H.-G. (eds.), Todesnähe (pp.271-292). Konstanz. Schmied, I. (1999). Jenseits der Grenze. Todesnäheerfahrungen in Ost- und Westdeutschland. In Pollack, D. & Pickel, G. (eds.), Religiöser und kirchlicher Wandel in Ostdeutschland 1989-1999. Opladen: Leske + Budrich.

Knoblauch, H. (in press). Nah-Todeserfahrung. In Auffarth, C., Bernard, J., Kurre, S. & Mohr, H. (eds.). Metzler Lexikon Religion. Stuttgart.

Knoblauch, H. (in press). "Jeder sich selbst sein Gott in der Welt" - Subjektivierung, Spiritualität und der Markt der Religion. In Hettlage, R. & Vogt, L. (eds.), Identitäten im Umbruch. Opladen: Westdeutscher.

Knoblauch, H., Schmied, I. & Schnettler, B. (accepted): The Different Experience. A Report on a Survey of Near-Death Experiences in Germany. Journal of Near Death Studies, 19(2), (Winter 2000)

Knoblauch, H., Schmied, I. & Schnettler, B. (submitted). "Hüben und Drüben". Ergebnisse einer empirischen Untersuchung zur Struktur und Verbreitung von Todesnäheerfahrungen in Ost- und Westdeutschland. Zeitschrift für Grenzgebiete der Psychologie und Parapsychologie.

3. Translations:
Blackmore, S. (1999). Neurophysiologische Erklärungen der Nah-Todeserfahrung, in Knoblauch, H. & Soeffner, H.-G. (eds.), Todesnähe (pp.37-64). Konstanz: UVK. (together with Schnettler, B.). Kelly, E. W., Greyson, B. & Stevenson, I. (1999). Beweisen Todesnäheerfahrungen das Überleben der menschlichen Persönlichkeit nach dem Tod? In Knoblauch, H. & Soeffner, H.-G. (eds.), Todesnähe (pp.101-128). Konstanz: UVK, (together with Schnettler, B.).

4. Lectures:
Knoblauch, H. (1996). Near-Death Experiences. Lecture at the University of Loughborough, Department of Human Studies, ( 5 June 1996).

Knoblauch, H., Schmied, I. & Schnettler, B. (1997). Struktur und Verbreitung von Erfahrungen in Todesnähe. Methodologische Annäherungen, methodische Umsetzung und erste Ergebnisse. Vortrag im gemeinsamen Kolloquium der Abteilung für Psychologie der Universität Freiburg und des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP), (8 October 1997).

Knoblauch, H., Schmied, I., & Schnettler, B. (1997). Bericht zum Forschungsprojekt "Struktur und Verbreitung von Todesnäheerfahrungen in Ost- und Westdeutschland" im Forschungskolloquium Soeffner, Universität Konstanz, (21 October 1997).

Schmied, I. & Schnettler, B. (1997). Struktur und Verbreitung von Erfahrungen in Todesnähe. Methodologische Annäherungen, methodische Umsetzung und erste Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage. Vortrag beim XII. Workshop der Wissenschaftlichen Gesellschaft zur Förderung der Parapsychologie e. V. (Wgfp), (Offenburg, 24 to 26 October 1997).

Schnettler, B. & Schmied, I. (1998). Am Rande des Todes? Ergebnisse einer empirischen Untersuchung zur Verbreitung und Struktur von Todesnäheerfahrungen in Ost- und Westdeutschland. Vortrag im Forschungskolloquium Klinische Psychologie an der Universität Konstanz, (19 May 1998).

Knoblauch, H., Schmied, I. & Schnettler, B. (1998). Methodische Probleme bei der Erfassung und Analyse von Todesnäheerfahrungen. Vortrag im gemeinsamen Kolloquium der Abteilung für Psychologie der Universität Freiburg und des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP), (15 July 1998).

Knoblauch, H. (1998). Near-death experiences - results of a German survey. Vortrag an der London School of Economics, Department of Sociology, (11 February 1998).

Schmied, I., B. Schnettler, B. (1998) Bericht zum Forschungsprojekt "Struktur und Verbreitung von Todesnäheerfahrungen in Ost- und Westdeutschland" im Forschungskolloquium Prof. Dr. H.-G. Soeffner, Universität Konstanz, (2 June 1998).

Knoblauch, H. (1998). Kommunikationssoziologische Überlegungen zur Methodologie am Beispiel der Todesnäheerfahrungen. Vortrag auf der Tagung "Religiöse Gegenwartskultur - Zur Methodik und Hermeneutik ihrer Erforschung", Universität Bayreuth,(8 to 10 September 1998). Schmied, I. (1998). Todesnäheerfahrungen als Beispiel außerkirchlicher Religiosität: Ergebnisse einer empirischen Studie unter Berücksichtigung ostdeutscher Sterbeberichte. Vortrag auf der Tagung "Religiöser und kirchlicher Wandel in Ostdeutschland" unterstützt vom Institut für Transformationsstudien (FIT) Frankfurt/Oder, (2-4 October 1998).

Knoblauch, H. (1998). Todesnähe, gelebte Religion und die Kulturbedeutung der Religionswissenschaft. Vortrag an der Philosophischen Fakultät und Theologischen Fakultät der Universität Bern, (11 December 1998).

Knoblauch, H. (1999). Zur Komplementarität qualitativer und quantitativer Forschung am Beispiel der Nahtoderfahrung. Vortrag im Kolloquium der Fachgruppe Soziologie zum Thema " ...deutende verstehen und ursächlich erklären" an der Universität Konstanz, (4 February 1999).

Knoblauch, H.(1999). Multiple Realities, Near-Experiences and the Life Word. Vortrag auf der Tagung "Theorie und Empirie der Lebenswelt. Zur Karriere eines Paradigmas." Aus Anlass des 100. Geburtstags von Alfred Schütz, Universität Konstanz, (26 to 2 May 1999).

Knoblauch, H. (1999). Ritual. Vortrag beim Symposion ohne Publikum des Ausbildungsinstituts für systemische Therapie in Meilen (CH), Schloss Mercier in Seirre, Wallis, (2 Juni 1999).

Knoblauch, H. (1999). Nahtoderfahrungen - Ergebnisse und methodische Probleme einer ungewöhnlichen Erhebung. Vortrag an der Ludwig-Maximilians-Universität München (2 July 1999).

Knoblauch, H. (1999) Gelebte Allegorien. Vortrag auf der Tagung des Sonderforschungsbereichs 511 "Die unvermeidlichkeit der Bilder". Universität Konstanz (14 to 17 July 1999). Knoblauch, H. (1999). Religiosity in Comtemporary Germany. Vortrag auf der Tagung der Societe International de Sociologie des Religion (SISR) "Journeying", Katholische Universität Löwen, Belgien (26 to 30 July 1999).

Knoblauch, H. (1999) Religiöse Erfahrung. Vortrag auf der 3. Tagung der Arbeitsgemeinschaft Frühe Neuzeit "Erfahrung", Universität Essen (16 to 18 September 1999).

Knoblauch, H. (1999). Todesnähe und Religiosität. Vortrag auf der Generalversammlung der Görres- Gesellschaft, Potsdam (25 to 29 September 1999).

II. Response to the Researchproject in medias

Print-Medias:
NZZ-Folio (1997). Wozu braucht der Mensch den Tod?. Interview mit Hubert Knoblauch. (monthly Extra Of the Neue Zürcher Zeitung). Neue Zürcher Zeitung, 1997, 11. Niemeyer, A. (1998). Jeder erlebt das Sterben anders. Todesnähe-Erfahrungen in der Bundesrepublik. In Esotera No. 7/98, 22-27.

Evangelischer Pressedienst (1998). Uni-Umfrage: Drei Millionen deutsche sahen dem Tod ins Auge. Report at the 7 October 1998.

Südkurier (1998). Dem Tod ins Auge geblickt. 8 October 1998. Mayer, K.-M. (1999). Eine Party mit toten Freunden. Haben Millionen Deutsche schon einmal ins Jenseits geblickt? Ein Soziologe wertet die erste Umfrage über das Rendezvous mit dem Tod aus. Focus No. 28, 120.

Evers, B. (1999). Begegnung mit dem Tod.Drei Millionen Deutsche betroffen: Beweis elementarer Religiosität. Neue Bildpost, 15 July 1999, 3.

Willmann, U. (1999). Einmal Hölle und zurück. Der Ostdeutsche stirbt anders als der Westdeutsche. Eine aktuelle Studie von Nahtoderlebnissen zeigt: Die Art des Sterbens ist abhängig von Kultur und Biographie. Die Zeit, No. 29, 15 July 1999, 35-36.

Köhler, U. (1999). Ostdeutsche schildern Schreckliches. Kulturelle Unteschiede bei Nahtoderlebnissen festgestellt - Studie mit neuen Erkenntnissen. Stuttgarter Zeitung, 1 September 1999.

Hauser, B. (1999). Wer den Tod berührt. Sie sehen Lichtwesen, Gespenster oder verspüren ein Gefühl universeller Leibe: Ein Konstanzer Wissenschaftler hat jetzt 2000 Menschen befragt, die schon einmal an der Schwelle zum Jenseits standen. Stern No.33, 121-122.

Thiede, W. (1999). Visionen vom Jenseits. Todesnähe -Was sagen uns Erfahrungen an der Grenze des Lebens? Rheinischer Merkur - Christ und Welt, 29 October 1999, 28.

Hilla,D.(1999). 'Sterben - mein schönstes Erlebnis'. Soziologen haben erforscht, was rund 3,3 Millionen Deutsche in der Nähe des Todes erfahren. Rheinische Post No. 259, 6. 11. 1999.

Di Falco, D. (1999). Aug in Aug mit dem Sensenmann. Wie der Tod das Leben spiegelt - Soziologen untersuchen Nahtoderfahrungen. Tagblatt (St. Gallen), 3.11.1999, 19.

Di Falco, D. (1999). 'Das Antlitz der menschlichen Vorstellbarkeit des Todes'. Wie der Tod das Leben spiegelt - Soziologen untersuchen moderne Nahtod-Erfahrungen. Der kleine Bund, No. 266, 13.11.1999,

6.
Schweer, W. (1999). Vorahnungen der Seele. Nahtoderfahrungen beschäftigen die Wissenschaft. Evangelische Kommentare No. 11, 51.

Allmeier, M. (1999). Vielleicht ist er entzückt. Das Mysterium der Nahtod-Erfahrung. Frankfurter Allgemeine Zeitung No. 297, 30.11.1999, 29.

Radio:
WDR 2: "Morgenmagazin". 16. November 1997 (Ina Schmied).

SWR 2 Forum: "Einmal Jenseits und zurück. Nahtod-Erfahrungen auf dem wissenschaftlichen Prüfstand". Diskussionssendung mit Hubert Knoblauch, dem Theologen Werner Thiede und dem Mediziner Schröter-Kunhardt, 30. August 1999.

Bayern 2 Radio: 'Abenteuer des Alltags - Ein Magazin der Kultur'. Interview mit Bernt Schnettler. Folge 94 vom. 24.11.1999.

Sowie weitere Beiträge in: Radio Bremen 4; NDR; SWR 4; Hessischer Rundfunk; WDR 5 ("Scala"); Deutschlandfunk ("Im Gespräch").

Fernsehen:
Schweizer Fernsehen DRS. "Quer" vom 28. November 1997 (Hubert Knoblauch).

MDR-Info. Sendung Art-Tour, 22. Juli 1999, (Bernt Schnettler).

3Sat. "Kulturzeit", am 23. Juli 1999, (Hubert Knoblauch).

Südwestfunk. "Menschenskinder", am 12. Oktober 1999, (Hubert Knoblauch).

Südwestfunk. "Pater noster", am 26. Oktober 1999, (Hubert Knoblauch).

Westdeutscher Rundfunk. "WDR Talkshow", am 2. November 1999, (Hubert Knoblauch).

ARTE (HR). Reportage über NTE, (Hubert Knoblauch) (wird noch gesendet).

Restoration of the scientific and historical archives of the Institut Métapsychique International (IMI)

The Institut Métapsychique International, one of the oldest and most respected of the societies of Psychical Research, has the most significant collection of French-language documents on psychical research, including books and journals, photographic research documents, unpublished manuscripts and correspondence, and other archives of historical and scientific interest. It also has one of Europe's largest collections of English-language books and journals on psychical research. However, in the past few decades, lack of funds and poor management have led to the degradation or loss of a considerable number of works. Additionally, most of the records detailing the scientific and cultural assets of the IMI have either been lost, or are out of date.
With the establishment of new leadership at the IMI, it has been determined that the restoration of its historical assets is an urgent priority, particularly insofar as these assets are crucial to the perpetuation of its legal status as a public utility foundation.
A 5-step procedure has been outlined for saving the diverse documents:
  1. an initial expertise, by a professional documentalist, of the IMI's archival assets. This expertise includes: definition of the structure of a computer database for the archival assets; and determination of the books and journals which should be repaired or replaced
  2. conception and creation of an adequate display and storage system, permitting full accessibility to the documents, while also protecting them
  3. for each document, entry of the key elements into the database, in accordance with the documentalist's recommendations, followed by an arrangement of the documents into the display and storage structures
  4. restoration and protection of damaged books, journals or art-work; purchase of missing journals.
  5. expertise by a professional to formally evaluate the IMI archival assets, and thus complete one of the legal requirements for perpetuation of the IMI's public utility status.

Projektbearbeiter:
Dr. Mario Varvoglis
Institut Metapsychique International
1 Place Wagram, Paris
France 75017

Extern geförderte Forschungsprojekte zur Rezeptionsgeschichte der parapsychologischen Forschung (Auswahl)

Psycho-kulturelle Elemente der mediumistischen Trance: Eileen J. Garrett (1893-1970) (abgeschlossenes Projekt)

Im Zentrum des Projekts stehen Leben und Karriere eines der bekanntesten Medien dieses Jahrhunderts. Eileen Garrett, in Irland geboren, war ursprünglich als Medium in England tätig und wurde besonders bekannt durch Teilnahme an verschiedenen Ereignissen, die Schlagzeilen machten, u. a. dem Absturz des lenkbaren britischen Luftschiffes, "R 101". Während des Zweiten Weltkrieges liess Mrs. Garrett sich in den Vereinigten Staaten nieder, wurde Verlegerin von Büchern und Zeitschriften; danach, im Jahre 1951, gründete sie die Parapsychology Foundation.
Der Leiter dieses Projektes war Geschäftsführer der Parapsychology Foundation von 1953 bis 1965 und daher in der Lage, mehr als ein Jahrzehnt persönlicher Erfahrung und Analyse zu verwenden. Mrs. Garrett reagierte nicht nur auf die psychologisch-kulturelle Atmosphäre ihres irischen Geburtslandes und dessen religio-mystischen Überlieferungen, auf die nach- viktorianische Periode eines populären Spiritismus in England, oder auf die Tendenzen in den Vereinigten Staaten, bis in die Okkult-Welle der sechziger Jahre - sie stand auch unter dem starken persönlichen Einfluss prominenter Persönlichkeiten, wie z.B. Sir Arthur Conan Doyle und Aldous Huxley.
Ihr Leben lang hoffte Mrs. Garrett ihre eigenen durchgeführten medialen Fähigkeiten zu erforschen und zu verstehen, und sie unterstützte wissenschaftliche Experimente auf parapsychologischem Gebiet, die von Psychologen, Neurologen, Ethnologen und anderen unternommen wurden. Ihre Stiftung, die Parapsychology Foundation, organisierte jährliche interdisziplinäre Konferenzen.
Dieses Projekt behandelt einige Forschungsthemen, die über die Parapsychologie im engeren Sinne hinausgehen. Dies könnte die Untersuchung oder Neu-Untersuchung, (a) möglicher Verbindungen zwischen der mediumistischen Trance und der hypnotischen Trance betreffen, (b) Ähnlichkeiten zwischen dem Auftreten von "Geistwesen" und dem Syndrom der multiplen Persönlichkeit, wie auch (c) die Verwendung von Phänomenen wie das "Automatische Schreiben" im Rahmen der Persönlichkeitsforschung und der Psychotherapie.

Projektbearbeiter
Martin Ebon
5615 Netherland Avenue
Riverdale
New York 10471, USA

Zur Rezeptionsgeschichte parapsychologischer Phänomene am Beispiel Kants, Schopenhauers und C.G. Jungs (Dissertationsstipendium, abgeschlossen)

Die Rezeption sogenannter parapsychologischer Phänomene durch die Philosophie zeigt eine konsistente Entwicklungslinie von Kant über Schopenhauer bis hinein in die moderne Tiefenpsychologie Jungs. Dabei ist die Paradigmengebundenheit der Rezeption zu erkennen, die unausweichlich mit der historischen Wertung der causa efficiens verknüpft ist. Solange sich philosophisches Denken, wie bei Kant, am Weltbild der klassischen Physik orientiert, kann ein solches System kein Erklärungsmodell für parapsychologische Phänomene liefern. Das ändert sich, wenn neben der causa efficiens alternative Ordungsschemeta an Bedeutung gewinnen, etwa das Modell der Synchronizität von Jung und Pauli, das den Boden klassischen Denkens verlassen hat. Aus diesem Grund scheinen besonders die Erkenntnisse der modernen Physik, speziell die der Quantenphysik, eine neue Rezeptionsgrundlage für parapsychologische Phänomene zu bieten. Die Rezeption der parapsychologischen Forschung könnte somit als Prüfstein für die Verankerung des an den Entdeckungen der Quantenmechanik orientierten neuen wissenschaftlichen Weltbildes dienen.
Obwohl Kants Setzung einer positiven Freiheit eine scheinbare Lücke im Determinationsgefüge der phänomenalen Welt erkennen läßt, ist sein System durch und durch rational. Dies läßt auch seine frühe Hinwendung zu dem Seher Swedenborg nur noch als Traum einer unhaltbaren Metaphysik erscheinen, die nur noch als Erkenntnistheorie Berechtigung haben soll. Schopenhauer zieht jedoch nicht die gleichen Konsequenzen wie Kant für die Unmöglichkeit metaphysischer Erkenntnis überhaupt, sondern versucht sie aus den Prämissen der Kantischen Philosophie selbst heraus zu entwickeln und zu begründen. Das Ergebnis dieses Versuches spiegelt sich in seiner Willensmetaphysik wieder, welche eine beinahe eigenständige parapsychologische Theorie hervor gebracht hat. Diese wird ein Jahrhundert später für Jung und Pauli einen wesentlichen Impuls zur Ausarbeitung der Synchronzitätstheorie geben, die als akausales Erklärungsmodell von Psi-Phänomenen zu den bedeutsamsten Beiträgen zur parapsychologischen Forschung überhaupt gezählt werden muß.

Betreuerin
Prof. Dr. Annemarie Pieper

Betreuer
Prof. Dr. Johannes Mischo

Doktorandin
Andrea Kropf, M.A.

Veröffentlichungen

Kropf, A. (2000). Zur Rezeptiongeschichte parapsychologischer Phänomene am Beispiel Kants, Schopenhauers und C. G. Jungs. Münster-Hamburg-London: Lit Verlag.

Spukfall Zugun (abgeschlossenes Projekt)

Die historisch-kritische Aufarbeitung dieses Falles (1925/26-27) hat eine neue Auszählung der Phänomene erfordert, wobei in etwa die Größenordnung der Wassilko-Zählungen (nicht aber ihre spätere Schätzung von etwa 5000) bestätigt werden konnte: für die Phase I ergeben sich nunmehr 1754 (statt Wassilko 2092) Phänomene, für die Phase II 1306 (gegenüber 1362), d.h. insgesamt nunmehr 3060 statt 3454; davon erscheinen insgesamt 884 Einzelphänomene als besonders gut gesichert.
Eine Reihe von Einwänden zeitgenössischer Kritiker (Beschuldigung des Betrugs durch Eleonore und des Komplizentums der Gräfin Wassilko), die zum Teil bis heute perpetuiert werden, konnte - nicht zuletzt durch Analyse de Filmdokuments - zurückgewiesen werden. Die Analyse der zirkadianen Verteilung der Phänomene ergab eine deutliche Abhängigkeit von psychologischen Bedingtheiten, aber keine Korrelation mit Parametern der physikalischen Welt: die von Gräfin Wassilko ursprünglich vermutete Genese der Phänomene als Antizipation des weiblichen Zyklus hat sich nicht bestätigen lassen; die von Schrenck-Notzing vermutete Korrelation der Phänomenhäufigkeit mit den Mondphasen besteht ebenfalls nicht (r = 0,028 [Phase I] bzw. 0,015 [Phase II]); auch die Überprüfung einer allfälligen Korrelation mit den Maxima der geomagnetischen Feldstärke verblieb negativ (r = 0,085 bzw. 0,021). Die Auswertung der durch Gräfin Wassilko an der Focusperson vorgenommenen "Psychoanalyse" macht die durch Gegenübertragung erfolgte Veränderung der ursprünglichen Phänomenik in Richtung der Hautphänomene verständlich.
Schließlich ist die Analyse des Falles auch methodologisch von Interesse, weil sie einen quantitativen Aspekt in einen bisher nur qualitativ verstandenen Fall einbringt und so einen Brückenschlag zwischen idiographischem und nomothetischem Zugang darstellt.

Veröffentlichungen:

Mulacz, P. (1998). Eleonore Zugun - the re-evaluation of an historic RSPK case. Proceedings of Presented Papers at the 41st Parapsychological Association Annual Convention.

Mulacz, P. (1999). Eleonore Zugun - the Re-evaluation of a Historic RSPK Case. Journal of Parapsychology, 63(1), 15-45.

Biondi, M. (1999). Analisi psicologica e poltergeist: il caso Eleonora Zugun. Luce e Ombra, 99(3), 309- 326.

Mulacz, P. (in Vorbereitung). Analyse des Spukfalls Zugun. Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie.

Mulacz, P. (in Vorbereitung). The Case of Eleonore Zugun. Monographical representation for the publications by the Parapsychology Foundation.

Projektbearbeiter:
Peter Mulacz
Hernalser Hauptstr. 38
A-1170 Wien
peter.mulacz@blackbox.at

Geschichte der Parapsychologie in Österreich (laufendes Projekt)

In diesem Projekt wird die Geschichte der Parapsychologie in Österreich (einschließlich der "Od"-Lehre des Barons Reichenbach, zumal sich ein Teilnachlaß von ihm im Archiv des TMW befindet) ab der Mitte des vergangenen Jahrhunderts ideen- und rezeptionsgeschichtlich untersucht, Einflüsse und Zusammenhänge werden verfolgt und nachgezeichnet sowie parapsychologische Aktivitäten insbesondere vor der 1927 erfolgten Gründung der "Österreichischen Gesellschaft für Psychische Forschung" (z.B. der Besuch Kluskis 1921) bzw. außerhalb der Gesellschaft untersucht. Am Beginn stehen G. Dämmerung und C. Delhez (Kardec-Übersetzer, erste einschlägige Zeitschrift in Wien, in deren 2. Bd. sich auch die Darstellung des berühmten Spukfalls Joller findet); der Schwerpunkt liegt jedoch mit Baron Hellenbach, dessen Nachfahren aufgespürt werden konnten, im ausgehenden 19. Jh. sowie im 20. Jh., vor allem in der Zeit zwischen den Weltkriegen. Dabei werden auch internationale Verflechtungen der in Frage kommenden Persönlichkeiten transparent, wie die Auswertung des Nachlasses der Gräfin Wassilko sowie des Archivs der Österreichischen Gesellschaft für Parapsychologie ergeben hat. Obwohl für die parapsychologische Forschung sensu strictu nur partiell relevant, seien auch die in der Hofburg abgehaltenen spiritistischen Experimente (vgl. "Entlarvungsaffäre" Bastian durch die Erzherzöge Rudolf und Johann). Was die Geschichte der heutigen "Österreichischen Gesellschaft für Parapsychologie" betrifft, so sind zahlreichen
Richtigstellungen und Ergänzungen im Detail nötig. Ferner wurde festgestellt, dass die Experimente von G. A. Schwaiger mit Rudi Schneider keineswegs bloß von der Methodik der beiden Osty beeinflußt, sondern vor allem durch Kommunikationen im Privatzirkel Schickl inspiriert worden sind; wieso deren Protokolle jedoch an die SPR gelangt sind, konnte bisher nicht herausgefunden werden. Den Schluß bildet ein Kapitel Nachkriegsforschung (u.a. die Traumtelepathieexperimente W. Daims). Aufgrund der Reichhaltigkeit des Materials, insbesondere des kürzlich erfolgten Aufspürens des Nachlasses von Rudi Schneider, ist eine Verlängerung der Laufzeit des Projekts beantragt worden.

Projektbearbeiter:
Peter Mulacz
Hernalser Hauptstr. 38
A-1170 Wien
peter.mulacz@blackbox.at

Veröffentlichung

Mulacz, P. (2000). History of Parapsychology in Austria - Notes for a History of Parapsychology Developments in Austria. In F. Steinkamp, ed., Proceedings of Presented Papers: The Parapsychological Association 43rd Annual Convention , 192-209.

Kulturhistorische Aspekte von Poltergeistfällen und Geistererscheinungen in Deutschland im 18. und 19. Jahrhundert (abgeschlossenes Projekt)

Das im Rahmen der historischen Rezeptionsforschung des Freiburger Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene durchgeführte Projekt ist der Frage nachgegangen, in welchem Umfang in Deutschland im 18. und 19. Jahrhundert parapsychische Phänomene wie Geistererscheinungen und Poltergeisterlebnisse dokumentiert worden sind. Es wurde an ausgewählten historisch orientierten oder thematisch relevanten Bibliotheken an 16 verschiedenen Orten in Deutschland und Österreich recherchiert: Wolfenbüttel, Göttingen, Jena, Halle, Schloß Oberwiederstedt (Novalis` Geburtshaus), Weimar, München, Speyer, Überlingen, Benediktinerkloster Beuron, Trier, Freiburg, Berlin, Wien, Benediktinerstift Melk und Innsbruck. Die aus dieser Arbeit entstandene Bibliographie umfaßt ca. 2000 Titel, davon 1200 zwischen 1700 und 1900, 140 ältere sowie 660 aus dem 20. Jahrhundert. Ferner wurde eine Liste mit 110 deutschen Poltergeistfällen vor 1900 erstellt, aus der sechs Dokumentationen zwischen 1714 und 1760 phänomenologisch untersucht wurden. Anhand einer daraus entwickelten Tabelle mit 31 Phänomen-Gruppen wurde eine weitgehende Übereinstimmung der Phänomene und Strukturen dieser historischen Fälle mit den heute beschriebenen Poltergeistmustern aufgezeigt. Ebenso wurde die Relevanz der historischen Poltergeist- Interpretationen sowie des traditionellen Umganges mit diesen Geistern für die aktuelle Forschung dargestellt. Kulturhistorische Aspekte des Poltergeistes, die bis in die Erzähltradition zurückreichen, zeigen schließlich den mit dem Aufkommen des Christentums einhergehenden Wandel des Erlebnisses eines hilfreichen und erfreulichen Hausgeistes in ein destruktives, bedrohliches Poltergeist-Ereignis.

Projektleiter:
Dipl.-Psych. Eberhard Bauer
0761/20721-11
bauer@igpp.de

Projektmitarbeiterin:
Dr. Annekatrin Puhle (Berlin)

Veröffentlichungen:

Puhle, A. (1998). Cases of Ghosts and Poltergeists in German Cultural History from the 18th and 19th Centuries (Abstract). Journal of Parapsychology, 62, 114-115.

Puhle, A. (1999). Ghosts, Apparitions and Poltergeist Incidents in Germany between 1700 and 1900. Journal of the Society for Psychical Research, 63, 292-305.

Puhle, A. (1999). Six Selected Historical Poltergeist Cases from the 1700s in Germany. Proceedings of Presented Papers of the 42th Annual Convention of the Parapsychological Association, 278-288.

Puhle, A. (2000). Six Selected Historical Poltergeist Cases from the 1700s in Germany. International Journal of Parapsychology, 11(1), 133-148.

Puhle, A. (in Vorbereitung). Kulturhistorische Aspekte von Poltergeistfällen und Geistererscheinungen. Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie.

Mesmerismus, Hypnotismus und die parapsychologische Forschung: "Rapport" und "Mentalsuggestion" als Gegenstand der Wissenschaft im ausgehenden 18. und frühen 20. Jahrhundert (abgeschlossenes Projekt)

Die Studie folgt den Spuren der wissenschaftlichen Untersuchungen der parapsychischen Phänomene im 19. Jahrhundert (Mesmerismus in Frankreich, seine Rezeption in der deutschen romantischen Medizin, der frühe Hypnotismus von James Braid, die Hypnose-Schulen von Nancy und der Pariser SalpˆtriŠre). Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf der Entwicklung der wissenschaftlichen Parapsychologie und ihrer Rezeption im deutschen Kaiserreich.
Ab ca. 1880 begann in Deutschland eine systematische wissenschaftliche Überprüfung der paranormalen Phänomene. Nach dem Vorbild der Londoner "Society for Psychical Research" wurden 1886/87 in München die "Psychologische Gesellschaft" unter dem Privatgelehrten Carl du Prel und Albert von Schrenck-Notzing gegründet sowie 1888 in Berlin die "Gesellschaft für Experimentalpsychologie" unter Max Dessoir, Albert Moll u.a. Ihr Ziel war, die "mystischen" Seiten des Seelenlebens experimentell zu erforschen: Somnambulismus, Spiritismus, Telepathie, Hellsehen. Diese Forschungen fanden im Spannungsfeld zwischen Spiritismus, Heilmagnetismus (Mesmerismus) und Hypnotismus statt: einerseits sammelten sich die Heilmagnetiseure in beruflichen Standesorganisationen, um sich gegen die ärztlichen und behördlichen Versuche, die Laienbehandlungen einzuschränken, zu wehren. Andererseits bemühten sich Ärzte, die Hypnose als Heilbehandlung innerhalb der akademischen Medizin zu etablieren und unter ärztliche Kontrolle zu bringen. Die wichtigsten Experimentatoren der zeitgenössischen Parapsychologie waren die Ärzte Schrenck-Notzing, Dessoir und Moll, die zugleich Anhänger der Suggestionslehre der Hypnose-Schule von Nancy waren. Dies brachte sie in einen Interessenkonflikt gegenüber ihrer Funktion als Parapsychologen, der die weitere Entwicklung der Parapsychologie in Deutschland bis 1918 wesentlich erschwerte. Es gab starke ideologisch und methodisch begründete Widerstände aus den Reihen der akademischen Experimentalpsychologie wie auch allgemein aus der Ärzteschaft, die sich sowohl gegen den Hypnotismus als auch gegen den "Okkultismus" richteten: die positiven Ergebnisse der parapsychologischen Forschung beförderten den Aberglauben und stellten die Kausalgesetze der Naturwissenschaften in Frage, der Trancezustand stelle für den einzelnen und die Gesellschaft eine Gefahr dar, Hypnose sei identisch mit dem Mesmerismus und ähnlichen abergläubischen mystischen Behandlungspraktiken.
Ab den 1890er Jahren herrschte in Deutschland ein Klima, in dem junge Wissenschaften, wie die Experimentalpsychologie und der therapeutische und experimentelle Hypnotismus sich akademisch nur etablieren konnten, wenn sie sich deutlich von okkulten Themen abgrenzten. So zogen sich Dessoir, Moll und Schrenck-Notzing von ihren parapsychologischen Forschungen zurück (bei Schrenck-Notzing war der Rückzug nur von kurzer Dauer, er war bis zu seinem Tod 1929 der prominenteste Vertreter der wissenschaftlichen Parapsychologie in Deutschland). Andererseits vertraten sie die Ansicht, dass die okkulten Phänomene weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen bleiben sollten und öffneten so die Grenzen, die andere Wissenschaftler bereits gezogen hatten. Erst nach dem Ersten Weltkrieg kam es vor dem Hintergrund einer verschärften Kritik an den materialistischen Tendenzen der Wissenschaft und der Popularität holistischer Weltbilder zu einem erneuten breiten Interesse an der Parapsychologie in Deutschland. Veröffentlichungen:

Wolf-Braun, B. (1998). Zur Rezeptionsgeshichte der Parapsychologie im Rahmen der akademischen Psychologie: die Stellungnahmen von Wilhelm Wundt (1832-1920) und Hugo Münsterberg (1863-1916).

In Bauer, E., Fahrenberg, J., Jahnke, J. & Stegie, R. (eds.), Psychologiegeschichte - Beziehungen zu Philosophie und Grenzgebieten (pp. 405-419). Wien: Profil.

Wolf-Braun, B. (im Druck). The higher order of the natural laws and the wrong world of hysterical mediums. Medicine and occult fringe at the turn of the 19th century in Germany. In Eklöf, M. & Jütte, R. (eds.), Tagungsband zur Geschichte der alternativen Medizin.

Wolf-Braun, B. (In Vorbereitung). Beitrag für die Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie.

Projektleiter:
Prof. Dr. Heinz Schott
Medizinhistorisches Institut
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität
Sigmund-Freud-Str. 25
53105 Bonn
schott@.meb.uni-bonn.de

Projektmitarbeiterin:
Dr. Barbara Wolf-Braun

Parapsychologie, Psychiatrie und medizinische Psychologie in der Weimarer Republik (abgeschlossenes Projekt)

Das Forschungsvorhaben schließt zeitlich und thematisch an die bereits abgeschlossene Studie "Mesmerismus, Hypnotismus und die wissenschaftliche Parapsychologie: "Rapport" und "Mentalsuggestion" als Gegenstand der Wissenschaft im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert" an. Es soll zu einer Gesamtschau der wissenschaftlichen Parapsychologie (Schwerpunkt parapsychische Phänomene) in Deutschland und ihrer Rezeption innerhalb der Medizin von 1880 bis 1932 führen.
Die Wissenschaft der Weimarer Republik wurde wesentlich von holistischen, antimechanistischen und neovitalistischen Ideen und einem deutlichen Krisenbewußtsein in den Wissenschaften geprägt. Es ist zu prüfen, inwieweit dies die zeitgenössische parapsychologische Forschung und deren Rezeption förderte. Ab den frühen zwanziger Jahren ist ein verstärktes Interesse der Medizin an der Erforschung der parapsychischen Phänomene (Telepathie, Hellsehen, psychische Automatismen) feststellbar. So erfolgte 1922 die Gründung der Berliner "Ärztlichen Gesellschaft für parapsychische Forschung", der ca. einhundert Mediziner, vorwiegend Nervenärzte und Psychiater, angehörten.
Berührungspunkte medizinischen und parapsychologischen Fragestellungen ergaben sich vor allem bei: (a) der Untersuchung von Medien zur Erforschung des Unbewußten, (b) der psychiatrischen Begutachtung der spiritistischen Medien und Behandlung der "spiritistischen Psychosen", (c) der Beurteilung der Kriminaltelepathie, (d) der Bekämpfung der okkulten Laienbehandler vor dem Hintergrund der Professionalisierung der ärztlichen Psychotherapie, (e) nicht zuletzt gab es auch Ärzte, die selbst "okkulte" Verfahren (z.B. mediumistische Diagnosen, Magnetopathie) einsetzten.
Der transdisziplinäre Ansatz der Untersuchung soll wichtige Berührungspunkte zwischen Parapsychologie und Medizin herausstellen, die bisher weder von der Medizin- noch von der Psychologiegeschichtsschreibung bearbeitet wurden.

Projektleiter:
Prof. Dr. Heinz Schott
Medizinhistorisches Institut
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität
Sigmund-Freud-Str. 25
53105 Bonn
schott@.meb.uni-bonn.de

Projektmitarbeiterin:
Dr. Barbara Wolf-Braun

Die Bedeutung der parapsychologischen Forschung im Hinblick auf die Psychologie von Théodore Flournoy und Carl Gustav Jung (abgeschlossenes Projekt)

Die Beschäftigung mit parapsychologischer Forschung und okkulten Phänomenen war entscheidend für die Entwicklung der Gedanken von Théodore Flournoy und Carl Gustav Jung. In diesem Projekt soll diese bislang wenig beachtete Quelle rekonstruiert werden, vor allem unter Berücksichtigung bislang unbekannten archivalischen Materials. Flournoy betrachtete parapsychologische Phänomene nicht etwa als ein abgetrenntes, randständiges Gebiet der Psychologie, sondern als Schlüssel zu einer wissenschaftlichen Psychologie der Persönlichkeit, die er "subliminale Psychologie" nannte, und überdies als die Basis für eine Psychologie der Religion. Indem Jung diese subliminale Psychologie aufgriff und weiterentwickelte, versuchte er, die Psychotherapie und Psychiatrie begrifflich neu zu bestimmen und eine transkulturelle und transhistorische Psychologie der Persönlichkeitsentfaltung zu entwickeln.

Projektbearbeiter:
Dr. Sonu Shamdasani
The Wellcome Institute for the History of Medicine
London NW 12 BE

Veröffentlichungen

Shamdasani, S. (1999). In Statu Nascendi. Journal of Analytical Psychology, 44, 539-545.

Shamdasani, S. (2000). Misunderstanding Jung: The Afterlife of Legends. Journal of Analytical Psychology, 45, 459-472.

Shamdasani, S. The soul is a machine for transforming the real: Théodore Flournoy and subliminal psychology. In Vorbereitung.

Shamdasani, S. Prims of Psychology: Jung in History. (Band 1, i. Druck, Band 2 in Vorbereitung)

Ufo-Abduktionen: Phänomenologie und Erklärungsansätze (Bibliographie) (abgeschlossenes Projekt)

Unter den verschiedenen Formen von Begegnungen mit "Unidentifizierten Flug-Objekten" sollen in diesem Projekt sogenannte UFO-Entführungen thematisiert werden. Entführungsopfer berichten - mittlerweile auch in Deutschland -, in Raumschiffe verschleppt, teilweise sehr schmerzhaften Untersuchungen und Experimenten unterzogen worden zu sein. Männer wie Frauen sprechen über traumatisierende sexuelle Erfahrungen bis hin zu Vergewaltigungen an Bord der Flugobjekte. Als positive Eindrücke werden unter anderem die Vermittlung von Einsichten in globale ökologische und kosmologische Zusammenhänge genannt, die bei zahlreichen Betroffenen ihren Aussagen zufolge eine Veränderung von Selbst- und Weltsicht bewirkt hat.
Pioniere des Forschungsfeldes wie T. Bullard, B. Hopkins, D. Jacobs, J. Mack haben die Untersuchung von "Entführungs-Opfern" sowie deren Behandlung ohne Infragestellung der Faktizität des Geschilderten vorangetrieben und eine eigenständige Phänomenologie von UFO- Entführungen entwickelt.
Psychopathologisch bzw. klinisch-psychologisch orientierte Erklärungsmodelle deuten die Berichte von Betroffenen im Kontext des "false-memory-syndrom", des Konstruktes "fantasy- proneness", der posttraumatischen Belastungsstörung sowie der Suggestion unter Hypnose. Auf masochistische bzw. sexuell masochistische Themen in den Fallgeschichten sowie auf Parallelen zu Geburtstraumata bzw. Geburtserinnerungen wird hingewiesen.
Aus der Sicht der anomalistischen Psychologie ergeben sich Anknüpfungspunkte zu außerkörperlichen Erfahrungen, Nahtod-Erfahrungen und schamanischen Initiationsriten. Die vergleichende Religionswissenschaft sowie die Soziologie tragen ebenfalls wichtige Forschungsperspektiven bei.
Ziele des Literaturprojektes sind der Aufbau einer Literaturdatenbank zum Thema UFO- Entführungen, das Erstellen einer kommentierten Bibliographie sowie einer zusammenfassenden Darstellung des aktuellen Forschungsstandes.

Projektleiter:
Dipl.-Psych. Eberhard Bauer
0761/20721-11
bauer@igpp.de

Projektmitarbeiterin:
Dipl.-Psych. Bettina Wetzel (Freiburg i.Br.)

Psychologische und parapsychologische Phänomene in mittelalterlichen Mirakelberichten und Kanonisationsakten (abgeschlossenes Projekt)

Mirakelberichte überliefern viele Einzelheiten zu den psychologischen Aspekten von Spontanheilungen. Es scheint, dass die positive Erwartungshaltung sowie die affektive Erregung des Kranken für die Heilung ausschlaggebend waren. Unsere Arbeit stützt sich auf über 500 Berichte aus 7 Kanonisationsdossiers (Spätmittelalter und Frühe Neuzeit), die wir in einer Datenbank erfasst haben. Jedem Fall ordneten wir einen Wert auf einer sechsstufigen Skala zu, beginnend mit dem natürlichen Abklingen von Beschwerden bis zur 'paranormalen Genesung'. Ebenfalls in Form eines Ratings versuchten wir, den Leidensdruck des Betroffenen abzuschätzen. Die folgenden Resultate der statistischen Analyse sind als Rangkorrelationen zu verstehen:

 

Leidensdruck/Wunderstufe N = 380 R = 0.2931 Sig = 0.000
Affekt/Wunderstufe N = 114 R = 0.2177 Sig = 0.02
Heilungsort/Wunderstufe N = 380 R = 0.1400 Sig = 0.006
Tagescharakter/Wunderstufe N = 148 R = 0.1858 Sig = 0.024
Gebetsdauer/Wunderstufe N = 140 R = 0.1568 Sig = 0.064
Altersgruppe/Wunderstufe N = 380 R = -0.0850 Sig = 0.098
Geschlecht/Wunderstufe N = 380 R = 0.0867 Sig = 0.091
Soziale Schicht/Wunderstufe N = 380 R = -0.0545 Sig = 0.290
Anreisedistanz/Wunderstufe N = 352 R = 0.0355 Sig = 0.506

Die positive Erwartungshaltung des Kranken war eine Voraussetzung für das Mirakel. Die berichteten Heilungen gehen aber oft weit über das hinaus, was man in pharmakologischen double-blind studies an Placebo-Wirkung beobachtet: Sie waren tiefgreifender und zumeist dauerhaft.

Projektbearbeiterinnen
Dr. Maria Wittmer-Butsch
Weinbergstr. 14A
CH-5430 Wettingen

Dr. Constanze Rendtel

Veröffentlichungen

Butsch, M. (1985). Historische und Psychologische Aspekte mittelalterlicher Mirakelberichte. Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 27, 209-234.

Wittmer-Butsch, M. (1992). Pilgern zu himmlischen Ärzten: Historische und psychologische Aspekte früh- und hochmittelalterlicher Mirakelberichte. In Jaritz, G. & Schuh, B. (eds.), Wallfahrt und Alltag in Mittelalter und früher Neuzeit (Sitzungsber. d. Ouml;ster. Akademie, phil. hist. Kl., 592=Veröffentl. d. Inst. f. Realienkunde 14), (pp.237-254). Wien.

© 2007 IGPP  (impressum) Stand: 29.1.2007