Außergewöhnliche Erfahrungen bei Kindern - entwicklungspsychologische, sozialpsychologische und soziologische Aspekte
PilotstudieIn retrospektiven Berichten von Erwachsenen, die intensive außergewöhnliche Erfahrungen machten, wird man gelegentlich mit der Behauptung konfrontiert, dass die betreffenden Personen schon als kleine Kinder solche Erfahrungen gemacht, sie aber in jener Lebensphase noch nicht richtig verstanden hätten. Später seien solche Erfahrungen „auskulturiert“ worden, da sie nicht gut in das dominierende Weltbild integriert werden können. Erst bei dem Erleben vergleichbarer Erfahrungen zu einem viel späteren Zeitpunkt in ihrem Leben konnten sie die früheren außergewöhnlichen Erfahrungen retrospektiv verstehen und in einen Interpretationsrahmen einfügen. Wenn man solche Aussagen ernst nimmt und sie damit einer Überprüfung für würdig hält, dann lässt sich daraus folgende Grundthese ableiten: Schon Kinder machen außergewöhnliche Erfahrungen und können diese von Alltagswahrnehmungen und -bewusstseinszuständen unterscheiden, ohne dass kulturelle Deutungen vorgegeben sind bzw. verstanden werden. D.h. es gibt ein Primat der Erfahrung vor der Interpretation (Jamesian „overbelief“ model). In dem Pilotprojekt sollen die Möglichkeiten der Erforschung dieser vor allem in methodischer Hinsicht anspruchsvollen Fragestellung ausgelotet werden, wobei zwei grundlegende Problemstellungen unterschieden werden können. Die eine betrifft die Möglichkeit der Wahrnehmung und Differenzierung von außergewöhnlichen Erfahrungen bei Kindern in entwicklungspsychologischer Perspektive, die andere die sozialen Reaktionen auf Berichte von Kindern, die von Erwachsenen als Berichte bzw. Fantasien von Erfahrungen solcher Art kategorisiert werden. Gerade die letztgenannte Problemstellung könnte Hinweise auf Prozesse der sozialen Stigmatisierung von außergewöhnlichen Erfahrungen liefern.
Projektleiter: PD
Dr. Michael Schetsche
Mitarbeiterin: Dr. Gerhard Mayer


